Traumatherapie in Kassel | Stefanie Becker

Traumatherapie in Kassel

Trauma erkennen und verstehen

Bei dem Wort „Trauma“ denken viele Menschen zunächst an außergewöhnliche, erschütternde Ereignisse: einen schweren Unfall, Gewalt, Missbrauch, eine Katastrophe oder den plötzlichen Verlust eines nahestehenden Menschen.

Doch traumatische Erfahrungen sind nicht immer so eindeutig erkennbar.

Manchmal zeigt sich erst viel später, dass etwas, das wir erlebt haben, unsere Möglichkeiten zu fühlen, zu vertrauen, Beziehungen zu gestalten oder mit Belastungen umzugehen, nachhaltig geprägt hat.

Trauma beschreibt dabei nicht allein das, was geschehen ist, sondern auch das, was eine Erfahrung in uns hinterlassen hat.

Insbesondere in der Kindheit können Erfahrungen überwältigend sein, für die einem Kind noch keine ausreichenden Bewältigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Kinder sind darauf angewiesen, Schutz, Sicherheit, emotionale Resonanz und Unterstützung durch ihre Bezugspersonen zu erfahren. Fehlen diese über längere Zeit oder erleben Kinder wiederholt Angst, Unsicherheit, Vernachlässigung oder Überforderung, kann dies ihre weitere Entwicklung prägen.

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, eigentlich „gut zu funktionieren“ und dennoch immer wieder an ähnliche innere Grenzen zu geraten. Vielleicht reagieren Sie in bestimmten Situationen stärker, als Sie es sich erklären können. Oder Sie erleben Nähe und Beziehungen als schwierig, fühlen sich schnell für andere verantwortlich, können schlecht Nein sagen oder haben das Gefühl, ständig leisten zu müssen.

Solche Muster können mit früheren Erfahrungen zusammenhängen.

 

Unterschiedliche Formen traumatischer Erfahrungen

Ein Schocktrauma kann durch ein einzelnes, plötzlich eintretendes und überwältigendes Ereignis entstehen. Dazu können beispielsweise schwere Unfälle, Gewalterfahrungen, medizinische Eingriffe, lebensbedrohliche Situationen oder der unerwartete Tod eines nahestehenden Menschen gehören.

Unser Nervensystem reagiert in solchen Situationen automatisch. Kampf und Flucht sind natürliche Schutzreaktionen. Sind beide nicht möglich, können Erstarrung, innerer Rückzug oder ein Gefühl des „Nicht-wirklich-da-Seins“ entstehen. Auch wenn die Gefahr längst vorüber ist, kann der Organismus später weiterhin reagieren, als müsse er sich schützen.

Bei einem Entwicklungstrauma stehen dagegen meist nicht einzelne Ereignisse im Vordergrund, sondern wiederkehrende oder länger andauernde Erfahrungen während wichtiger Phasen der kindlichen Entwicklung.

Dazu können Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch gehören, aber auch weniger offensichtliche Erfahrungen: wenn eigene Gefühle wenig Raum hatten, ein Kind früh Verantwortung übernehmen musste, Zuwendung an Leistung oder Anpassung geknüpft war oder verlässliche emotionale Sicherheit fehlte.

Kinder entwickeln unter solchen Bedingungen Strategien, um mit ihrer Umwelt zurechtzukommen. Sie werden beispielsweise besonders aufmerksam für die Stimmungen anderer, passen sich stark an, ziehen sich zurück, versuchen alles richtig zu machen oder lernen, bestimmte Gefühle und Bedürfnisse nicht mehr wahrzunehmen.

Was damals eine sinnvolle Form von Anpassung und Selbstschutz war, kann im Erwachsenenleben jedoch zur Belastung werden.

 

Wenn die Vergangenheit in der Gegenwart weiterwirkt

Traumatische Erfahrungen können sich sehr unterschiedlich auswirken. Nicht jedes Symptom ist auf ein Trauma zurückzuführen, und nicht jeder Mensch reagiert auf belastende Erfahrungen auf dieselbe Weise.

Mögliche Folgen können beispielsweise sein:

 

  • anhaltende innere Anspannung, Unruhe oder Schreckhaftigkeit
  • Ängste und starke Unsicherheit
  • Schwierigkeiten, sich zu entspannen oder Kontrolle abzugeben
  • schnelle Überforderung und Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • emotionale Taubheit oder das Gefühl, „nicht richtig da“ zu sein
  • Schwierigkeiten, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen
  • Perfektionismus und starke Selbstkritik
  • Schuld- und Schamgefühle
  • Schwierigkeiten, Grenzen wahrzunehmen oder zu setzen
  • Angst vor Nähe oder Verlassenwerden
  • wiederkehrende belastende Beziehungsmuster
  • Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen
  • körperliche Stressreaktionen und psychosomatische Beschwerden

 

Gerade frühe traumatische Erfahrungen können unser Selbstbild, unsere Beziehungen und die Art beeinflussen, wie wir unseren eigenen Körper, unsere Bedürfnisse und unsere Gefühle erleben.

Dabei sind viele dieser Reaktionen ursprünglich nicht „falsch“ oder „krank“. Sie können als Versuche verstanden werden, mit Erfahrungen und inneren Zuständen umzugehen, die zum damaligen Zeitpunkt nicht anders bewältigt werden konnten.

Nicht immer lässt sich dabei eindeutig nachvollziehen, wann bestimmte Reaktions- oder Schutzmuster entstanden sind. Erinnerungen an belastende oder traumatische Erfahrungen können unvollständig, bruchstückhaft oder teilweise gar nicht bewusst zugänglich sein.

 

Für therapeutische Veränderung ist es nicht notwendig, jede Erfahrung erinnern, einordnen oder erzählen zu können.

 

Auch das, was sich heute zeigt – in Gefühlen, Gedanken, Beziehungen, Verhaltensweisen oder körperlichen Reaktionen – kann Ausgangspunkt der therapeutischen Arbeit sein.

 

Wie ich traumatherapeutisch arbeite

Traumatherapie braucht aus meiner Sicht vor allem einen geschützten Rahmen, in dem Sie mit dem da sein dürfen, was sich gerade zeigt – und ebenso mit dem, was sich noch nicht zeigen kann oder soll.

Viele Menschen mit traumatischen Erfahrungen haben erlebt, dass ihre Reaktionen bewertet, angezweifelt oder nicht verstanden wurden. Vielleicht haben Sie selbst schon Sätze gehört wie: „Warum sind Sie nicht gegangen?“, „Warum haben Sie sich nicht gewehrt?“ oder „Warum haben Sie das so lange mitgemacht?“

Solche Fragen können Scham und Selbstzweifel verstärken und lassen außer Acht, dass Menschen in bedrohlichen oder überwältigenden Situationen nicht frei aus allen denkbaren Handlungsmöglichkeiten wählen können.

In meiner therapeutischen Arbeit geht es deshalb nicht darum, Ihre damaligen oder heutigen Reaktionen zu beurteilen. Gemeinsam versuchen wir vielmehr zu verstehen, wie sie entstanden sind, welche Funktion sie übernommen haben und warum sie möglicherweise bis heute wirksam sind.

Das gilt auch für Verhaltensweisen, die Sie heute selbst als belastend oder problematisch erleben. Rückzug, starke Kontrolle, Anpassung, emotionale Distanz oder andere Bewältigungsstrategien entstehen nicht ohne Grund. Auch selbstschädigende Verhaltensweisen können zeitweise eine Möglichkeit darstellen, mit inneren Zuständen umzugehen, für die noch keine anderen ausreichend tragfähigen Wege zur Verfügung stehen.

Veränderung beginnt für mich deshalb nicht mit der Frage: „Wie bekommen wir das möglichst schnell weg?“, sondern zunächst mit der Frage: „Was versucht diese Reaktion für Sie zu leisten – und was könnte heute zusätzlich oder an ihre Stelle treten?“

Wenn verständlicher wird, welche Funktion bestimmte Reaktionen oder Verhaltensweisen übernommen haben, muss Veränderung nicht im Kampf gegen sich selbst stattfinden.

Dabei bestimmen Sie mit, worüber wir sprechen und in welchem Tempo wir arbeiten. Sie müssen belastende Erfahrungen nicht ausführlich erzählen, bevor Sie dazu bereit sind. Auch Schweigen, Unsicherheit, Wut, Traurigkeit, Angst oder das Gefühl, gerade gar nichts zu empfinden, dürfen Teil des therapeutischen Prozesses sein.

In meiner Arbeit verbinde ich tiefenpsychologische Perspektiven mit einem integrativen und traumasensiblen Ansatz. Neben Gedanken, Gefühlen und Beziehungserfahrungen kann dabei auch der Körper eine wichtige Rolle spielen. Traumatische Erfahrungen zeigen sich nicht nur in bewussten Erinnerungen, sondern können sich auch in Anspannung, Erstarrung, Unruhe oder anderen körperlichen Reaktionsmustern ausdrücken.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers und des Nervensystems kann deshalb – immer in einem individuell passenden Rahmen – Teil der therapeutischen Arbeit sein.

Therapie ist für mich kein Prozess, in dem ich vorgebe, an welchem Punkt Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt sein sollten. Manche Veränderungen brauchen Zeit, manche Schritte werden erst später möglich, und manchmal kann es sinnvoll sein, innezuhalten oder zunächst wieder mehr Stabilität zu gewinnen.

Was geschehen ist, lässt sich nicht ungeschehen machen.

Verändern kann sich jedoch, wie sehr vergangene Erfahrungen das heutige Leben bestimmen.

Therapie kann dabei helfen, eigene Reaktionen besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit Gefühlen, Beziehungen und körperlichen Reaktionen zu entwickeln. Dazu gehört, Gefühle wahrzunehmen, ohne von ihnen vollständig überwältigt zu werden, eigene Grenzen deutlicher zu spüren und alte Beziehungsmuster besser zu verstehen. Gleichzeitig entsteht Raum für neue Erfahrungen von Sicherheit und Verbundenheit.

 

Nach und nach kann so mehr Freiheit entstehen – im Umgang mit alten Erfahrungen und in den Möglichkeiten, die Ihnen heute zur Verfügung stehen.

 


 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.